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1828-2017 189 Jahre Bäckerei Metscher
Als   unsere   Bäckerei   gegründet   wurde,   befand   sich   Langenweddingen   östlich   von   Preußen   und stand    unter    Herrschaft    von    König    Friedrich    Wilhelm    III.    Es    war    die    Zeit    der    sogenannten „Restauration“.   Nach   den   Befreiungskämpfen   1813   –   1815   sollte   ein   neuer   nationaler   deutscher Bundesstaat    errichtet    werden.    Dies    erfüllte    sich    leider    nicht,    so    dass    ein    locker    gefügter Staatenbund    (Deutscher    Bund),    bestehend    aus    35    Fürstenstaaten    und    4    freien    Städten geschaffen wurde. Das   aber   war   jedoch   nicht   das   von   Dichtern   der   Freiheitskriege   besungene   deutsche   Vaterland, für    das    die    Freiwilligen    in    den    Kampf    gegen    Napoleon    gezogen    waren.    Es    brodelte    in Deutschland.   Enttäuschung   und   Verbitterung   bewegte   die   heimkehrenden   Soldaten   und   die   in die Hörsäle zurückgekehrten Studenten. In   dieser   unruhigen   Zeit   wurden   in   Langenweddingen   vom   Bäcker   Metscher   die   ersten   Brote gebacken.
Meine   Vorfahren   erlebten   die   Revolution   1848.   Trotz   des   Scheiterns   gab   es   jetzt   in   Preußen   eine Verfassung   und   eine   Volksvertretung.   1858,   die   Bäckerei   bestand   bereits   30   Jahre,   übernahm   Prinz Wilhelm    von    Preußen    die    Regentschaft    und    1862    wurde    Otto    von    Bismarck    zum    preußischen Ministerpräsidenten   ernannt.   Bismarck   gilt   als   Gründer   des   Deutschen   Reiches   1871,   was   von   der überwältigenden   Mehrheit   der   Deutschen   begrüßt   wurde.   Zur   Zeit   der   Reichsgründung   erblickte mein Urgroßvater das Licht der Welt.
1888-1918   regierte   Kaiser   Wilhelm   II.   Es   wird   als   „Wilhelminisches   Zeitalter“   bezeichnet   und meine   Großmutter   Erna   Metscher   erzählte   sehr   oft   von   dieser   Zeit.   Sie   wurde   1904   geboren und   an   ihrem   Geburtstag,   dem   27   Januar,   brauchte   sie   nicht   zur   Schule   zu   gehen,   denn   es   war ein   Feiertag,   der   Kaiser   hatte   ebenfalls   Geburtstag.   Das   Auftreten   des   Kaisers,   seine   Gebaren und   seine   Äußerungen   entsprachen   dem   Lebensstil   der   Gesellschaft,   er   war   beliebt.   Glanz   und Gloria,    Garderegimenter    und    Kaisermanöver,    Stapelläufe    und    Flottenparaden,    deutsche Weltmachtstellung    und    Weltgeltung    lag    über    allem,    erzeugte    ein    bisher    nie    gekanntes Weltgefühl.   Wahrhaftig   ein   Aufstieg   ohne   gleichen   hatte   das   Deutsche   Reich   in   den   knapp   25 Jahren   seit   seiner   Gründung   vollzogen.   Der   Kaiser   selbst   war   jedoch   nicht   die   Persönlichkeit, um   die   Lücke   auszufüllen,   die   mit   dem   Abgang   Bismarcks   1890   von   der   politischen   Bühne   in der     Reichsführung     entstanden     war.     Er     war     oberflächlich     und     sprunghaft     in     seinen Entscheidungen,   so   dass   es   durch   deutsches   Fehlverhalten   1914   zum   ersten   Weltkrieg   kam. Deutschland stand Großbritannien, Frankreich und Russland gegenüber.
Zu   Beginn   der   Weimarer   Republik,   es   wird   das   90-   jährige   Jubiläum   begangen,   war   mein   Großvater, Friedrich    Metscher,    16    Jahre    alt.    Otto    Metscher,    mein    Urgroßvater    versorgte    die    Menschen    in Langenweddingen   so   gut   er   konnte   bis   zum   Jahr   der   Weltwirtschaftskrise   1929.   Die   Bäckerei   wurde   von meinem   Großvater   zu   einer   Zeit   übernommen,   in   der   sich   die   wirtschaftliche   Situation   in   Deutschland zunehmend   verschlechterte   und   die   Arbeitslosenzahlen   sprunghaft   anstiegen.   Gleichzeitig   erhielten   die radikalen    Parteien    und    Republikgegner    starken    Zulauf        aus    den    Reihen    der    Arbeitslosen    und    der Enttäuschten.     Der     seit     1925     amtierende     Reichspräsident     Paul     von     Hindenburg,     Anhänger     der Monarchie,   berief   1930   Heinrich   Brüning   zum   Kanzler   einer   neuen   Regierung   ohne   Bindung   an   Parteien und   Parlament.   Das   parlamentarische   System   wurde   abgelöst,   es   kam   zur   Ausbildung   eines   autoritären Präsidialregimes.   Seit   die   NSDAP   in   der   Reichstagswahl   1932   die   weitaus   stärkste   Fraktion   im   Reichstag stellte,   forderte   Adolf   Hitler   vom   Reichspräsidenten   für   sich   die   ganze   Regierungsgewalt.   Am   30.   Januar 1933   legte   Hitler   mit   seinem   Kabinett   als   Kanzler   den   Eid   auf   die   Verfassung   des   Weimarer   Staates   ab. Mit    dem    deutschen    Überfall    auf    Polen    am    1.    September    1939    begann    der    zweite    Weltkrieg,    mein Großvater ging an die Front und die Bäckerei musste geschlossen werden.
1946   kehrte   Friedrich   Metscher   aus   der   Gefangenschaft   zurück   und   der   Backofen   wurde   wieder   angeheizt.   Die   Nachkriegsjahre waren   sehr   schwer,   aber   gemeinsam   mit   seiner   Frau   Erna   meisterten   sie   die   Zeit   der   Lebensmittelmarken.   Die   abgegebenen Lebensmittelmarken   wurden   während   der   Woche   in   einem   Pappkarton   gesammelt   und   am   Wochenende   auf   eine   ausgebreitete Zeitung   geklebt.   Die   Übergeordnete   Stelle   kontrollierte   und   teilte   das   Mehl   zu.   Der   Hunger   war   groß   und   so   kam   es   dazu,   dass   viele Brote    entwendet    wurden,    es    wurde    geklaut.    Für    die    fehlenden    Brote    wurde    „schwarz“    Korn    gekauft,    um    die    Fehlbeträge auszugleichen.
Am   7.   Oktober   1949   wurde   die   DDR   gegründet.   Mein   Vater,   Herbert   Metscher,   13   Jahre   alt, hatte   den   Wunsch,   Musik   zu   studieren.   Da   sein   Vater   jedoch   ein   privater   Handwerksmeister war,   wurde   ihm   dieser   Lebensweg   verwehrt   und   so   erlernte   er   1951   bis   1954   den   Beruf   des Bäckers.  Für   eine   einfache   Streuselschnecke   waren   Lebensmittelmarken   für   5   Gramm   Zucker   sowie   10 Gramm Fett abzugeben. Ein Drei-Pfund-Brot kostete damals 42 Pfennige.
Rückblickend   haben   meine   Vorfahren   einige   geschichtliche   Meilensteine   miterlebt.   Kurz   vor   Gründung   der   Bäckerei   wurde   das Fahrrad   erfunden,   1835   fand   die   Jungfernfahrt   der   ersten   deutschen   Eisenbahn   von   Nürnberg   nach   Führt   statt   und   1879   leuchtete im Menlo Park bei New York erstmals die Glühlampe von Thomas Edison auf. Tja,   nun   führe   ich   die   Tradition   der   Landbäckerei   fort.   Geplant   war   das   nicht.   Nach   meinem   Ingenieurstudium   fand   ich   Arbeit   in Schönebeck   und   Wanzleben.   Die   „Wende“   gab   mir   die   Chance   und   ich   nutze   sie.   Mit   Stolz   kann   ich   sagen,   wir   backen   für   Sie   seit sechs Generationen.